Angriffe aus dem NetzSpionage und Diebstahl, Verleumdung und Parolen, selbst Kriegsführung ist für das Internet kein Fremdwort. Und
dabei sind nicht nur staatliche Rechner oder Firmennetzwerke betroffen, sondern jeder PC mit Internetanschluss.
Vor einiger Zeit trieb eine besonders perfide Mail ihr Unwesen: "Ist es ein Krieg gegen die USA oder den Islam?
Wählen wir, um in Frieden zu leben." Unter dieser Botschaft konnte der Empfänger einen Anhang öffnen, um seine
Stimme für eine friedliche Beilegung des Konflikts abzugeben. Doch statt eine Mail ins Weisse Haus oder zur
Taliban-Regierung zu schicken, landete eine EXE-Datei auf dem Rechner.
Diese WTC.exe löscht Antiviren-Software und andere Dateien von der Festplatte und setzt einen Befehl zur Formatierung
der C-Partition. Ausserdem zwingt sie den Internet Explorer, ein Backdoor-Programm herunterzuladen, mit dem der PC
ausspioniert werden kann. Und zusätzlich versendet sich diese Kombination aus Virus, Trojaner und Wurm auch noch
selbstständig über die Outlook-Adressenliste weiter.
Der "Vote-Wurm" verdeutlicht, dass der PC und die darauf installierte Antiviren-Software heute auch gegen übelste
Kombinationen verschiedener Malware-Arten kämpfen muss. Und er zeigt auch, dass jeder PC im Internet davon betroffen
sein kann. Umso wichtiger ist es, nicht nur ständig aktualisierte Antiviren-Programme aktiv am Laufen zu halten und
persönliche Firewalls zu installieren. Jeder Nutzer sollte auch die Tricks der Hacker kennen, um sie verstehen und
entsprechend abwehren zu können.
Zerstörung oder Spionage
Hacker verfolgen grundsätzlich eines von zwei möglichen Zielen: Entweder wollen sie Dateien zerstören, oder sie
wollen diese ausspionieren.
Je nach Zielsetzung gehen Hacker grundsätzlich verschieden vor. Während Zerstörungswut häufig durch auffällige und
spektakuläre Serien-Mails oder Denial-of-Service-Attacken (DoS) gekennzeichnet ist, wirken Spionage-Aktivitäten im
Geheimen. Sie wollen ja gerade unauffällig bleiben, um in aller Ruhe Daten abzuziehen. Gefährlich ist aber beides.
Viren mit hohem Zerstörungspotenzial werden nicht nur aus blinder Wut verschickt, sondern auch aus Spass am
Ausprobieren. Diese ungezielten Angriffe per Serien-Mail können durchaus fatale Auswirkungen haben. Man denke nur an
den "I-Love-you-Virus" oder den "AnnaKournikowa-Wurm".
Der Urheber des letzteren stand vor einiger Zeit vor Gericht, wo sich herausstellte, dass der jugendliche
Niederländer nicht einmal programmieren kann. Mit Hilfe des Bausatzes "VBS Worm Generator" aus dem Internet bastelte
er sich den Übeltäter zusammen.
Solche so genannten "Script-Kiddies" verfolgen häufig kein bestimmtes Ziel. Sie wollen nur etwas ausprobieren und
sind häufig selbst am meisten überrascht, wenn der Virus tatsächlich um die Welt geht. So soll gerüchteweise der
Urheber des LoveLetter-Virus die berüchtigte Betreff-Zeile "I love you" verwendet haben, um sie deutlich als Scherz
zu kennzeichnen. Ob er damit gerechnet hat, dass so viele Leute diesen Liebesbeweis ernst nehmen, darüber lässt sich
nur spekulieren. Er wurde nie gefasst.
Von den verspielten "Script-Kiddies" unterscheiden sich die Profi-Hacker durch ausgefeiltere Methoden und vor allem
deutlich gezieltere Angriffe. Sie können sogar regelrechte Kriege übers Internet führen, so genannte Cyber-Wars.
Dabei rückte das Internet nicht erst durch die Ereignisse in den USA und Afghanistan als möglicher
Nebenkriegsschauplatz wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Dass die Rechner im Pentagon ausspioniert oder
die Internet-Seiten der Taliban verändert werden, mag den "Normalsurfer" nur am Rande interessieren. Aber Privat-PCs
können durchaus als Schlagwaffe dienen.
So verbreitete sich zum Beispiel bis Juli dieses Jahres der Wurm "Code Red" auf vielen Rechnern im Internet. Während
er auf diesen keinen weiteren Schaden anrichtete, wartete er nur auf den 20. Juli. An diesem Tag schlug er los und
richtete von PCs der ganzen Welt aus gleichzeitig Internet-Anfragen auf die Website des Weissen Hauses. In diesem
Fall waren aber die Betreiber der Site wachsam, so dass kein grösserer Schaden entstand.
Dass sich in diesem Fall der Wurm nur auf Servern und nicht Privat-PCs verbreitete, kann nicht wirklich trösten.
Prinzipiell wäre es nämlich bereits heute möglich, diese Attacke auch von Privat-PCs aus zu starten. Die
Code-Red-Programmierer wählten wohl nur deswegen Server aus, da diese die ganze Zeit angeschaltet sind. Doch auch
Privat-PCs könnten in Zukunft Teil eines Cyber-Wars werden.
Nicht nur die Zerstörung von Dateien oder das Hacken von Webseiten gehören zu den Zielen von Hackern. Genauso
gefährlich ist das Ausspionieren von Daten und Informationen. Und auch diese Gefahr beschränkt sich nicht auf Firmen
und Regierungen. Privat-Nutzer sind ebenfalls beliebtes Ziel von Spionage-Software.
Es gibt zahllose Tricks, um einen mit dem Internet verbundenen PC nicht nur gezielt aufzuspüren, sondern auch genau
auszuforschen. Mit eingeschleusten Programmen lässt sich leicht Zugang zu einem fremden System verschaffen. Selbst
Passwörter stellen oft nur eine vermeintliche Sicherheit dar. Auch sie lassen sich knacken. Und ist man einmal drin,
lassen sich alle Daten ausspähen: Ob Geschäftsberichte kleinerer Firmen, Abrechnungen oder private Korrespondenz,
Spiele, Cracks, Passwörter, MP3-Dateien – das alles und noch viel mehr kann der Hacker auf den eigenen PC kopieren
und sogar auf dem Original-Rechner löschen. Ausserdem lassen sich über Tracking-Programme die Surf-Gewohnheiten des
Nutzers ausspionieren. Aber auch auf Firmen-Rechnern können solche Spione installiert werden, um private Nutzung des
PCs oder das Herunterladen "eindeutiger" Bilder zu verfolgen.
Durch die Installation von Backdoors ("Hintertüren"), speziellen Trojanern, erhält der Hacker sogar ständigen
weiteren Zugang auf den PC. Ihr Wert entspricht dem Spion, der in die Vorstandsetage des Konkurrenten eingeschleust
wurde. Da sie den Königsweg jeder Spionage repräsentieren, befinden sie sich rasant auf dem Vormarsch. Inzwischen
geht ihre Zahl in die Zigtausende. Sie erscheinen vor allem deswegen so gefährlich, da sie durch ihre Unscheinbarkeit
nur schwer zu entdecken sind.
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